Vor jeder größeren Treiber-Aktion lohnt sich ein Backup — ein Update kann fehlschlagen, ein Treiber kann inkompatibel sein, eine Windows-Neuinstallation kann anstehen. Treiber von Hand wieder zu beschaffen ist mühsam und manchmal unmöglich (alte Notebooks, deren Hersteller den Support eingestellt hat). Ein systematisches Backup spart Stunden — und manchmal rettet es einen sonst funktionstüchtigen PC vor dem Aussortieren. Dieser Artikel erklärt drei zuverlässige Methoden.
Warum ein Treiber-Backup?
Drei häufige Szenarien:
- Nach einem Windows-Reset — Bei einer „Diesen PC zurücksetzen"-Aktion gehen oft individuell installierte Treiber verloren, vor allem für Komponenten, die nicht über Windows Update versorgt werden.
- Nach einem fehlgeschlagenen Treiber-Update — Der vorherige Treiber liegt im DriverStore und kann theoretisch zurückgespielt werden, aber nur wenn nichts zwischenzeitlich gelöscht wurde.
- Bei alter Hardware — Wenn der Hersteller die Treiber-Webseite einstellt (passiert häufiger als gedacht), kann ein Backup der einzige Weg sein, das Gerät weiter zu nutzen.
Methode 1: pnputil (Bordmittel von Windows)
Microsoft liefert mit pnputil.exe ein Kommandozeilen-Tool, mit dem alle aktuell installierten Treiber-Pakete exportiert werden können — kostenlos, ohne Drittanbieter-Software.
Export
- Eingabeaufforderung als Administrator öffnen.
- Backup-Verzeichnis erstellen, z. B.:
mkdir D:\TreiberBackup - Befehl ausführen:
pnputil /export-driver * D:\TreiberBackup - Das Tool kopiert alle installierten Treiber-Pakete in das Verzeichnis. Pro Treiber entsteht ein Unterordner mit allen .inf-, .sys- und .cat-Dateien.
Wiederherstellung
Nach einer Windows-Neuinstallation oder einem Reset:
- Eingabeaufforderung als Administrator öffnen.
- Befehl:
pnputil /add-driver D:\TreiberBackup\*.inf /subdirs /install - Windows installiert alle Treiber-Pakete aus dem Backup automatisch.
Vorteil pnputil: Kein Drittanbieter-Tool nötig, läuft seit Windows Vista, sichert wirklich alle installierten Treiber inklusive solcher, die als CAB- oder MSI-Pakete kamen. Nachteil: Kein GUI, manche Treiber-Pakete sind nicht 1:1 wiederinstallierbar (z. B. solche, die Software-Komponenten brauchen).
AVG Driver Updater erstellt vor jedem Treiber-Update ein Backup des alten Treibers — Rollback ist mit einem Klick möglich.
Methode 2: DriverStore Explorer (Drittanbieter, kostenlos)
Für eine grafische Lösung empfiehlt sich DriverStore Explorer (Open Source, GitHub: github.com/lostindark/DriverStoreExplorer):
- DriverStore Explorer herunterladen und entpacken (keine Installation nötig).
- Als Administrator starten.
- Liste aller im DriverStore installierten Treiber wird angezeigt — mit Hersteller, Klasse, Version, Datum, Größe.
- Alle auswählen → Export Drivers → Zielverzeichnis wählen.
Vorteil gegenüber pnputil: Übersichtliche GUI, Filter, Möglichkeit, alte/redundante Treiber zu löschen (DriverStore wird über die Zeit groß).
Methode 3: Treiber-Software
Spezialisierte Treiber-Software wie der AVG Driver Updater erstellt automatische Backups vor jedem Update. Vorteile:
- Backup wird nicht vergessen — passiert automatisch
- Rollback in einem Klick (statt manuelle Kommandozeile)
- Einzelne Treiber-Versionen können gezielt zurückgespielt werden, ohne andere zu betreffen
- Bei Hardware-Wechsel: Backup-Inhalt zeigt, welche Treiber kritisch sind
Was wirklich gesichert werden sollte
Nicht jeder Treiber ist gleich wichtig. Priorität:
| Komponente | Sicherungs-Wichtigkeit | Grund |
|---|---|---|
| Chipsatz-Treiber | Hoch | Schwierig nachzuinstallieren ohne Mainboard-Modell |
| Grafiktreiber | Mittel | Bei Nvidia/AMD über Hersteller-Webseite jederzeit beziehbar |
| Audio-Treiber | Hoch | Realtek-Treiber sind oft mainboard-spezifisch |
| WLAN/LAN-Treiber | Hoch | Ohne Internet kein neuer Treiber-Download möglich |
| Drucker-Treiber | Niedrig | Hersteller-Setup einfach neu beziehbar |
| OEM-Tools (Lenovo, Dell, HP) | Niedrig | Hersteller-Webseite bietet Re-Download |
Vor einer Windows-Neuinstallation
Spezial-Empfehlung: Vor einer Windows-Neuinstallation oder einem Reset zwingend folgendes sichern:
- WLAN-Treiber auf USB-Stick — sonst keine Internet-Verbindung im neuen System.
- Chipsatz-Treiber auf USB-Stick — dann läuft der Geräte-Manager sauber.
- Komplettes pnputil-Backup — als Reserve.
- Notebook-Modell und Service-Tag notieren — falls die Treiber von der Hersteller-Webseite neu beschafft werden müssen.
Zusammenfassung
Treiber-Backups sind eine Versicherung, die wenig kostet und viel sparen kann. Drei Wege: pnputil als Bordmittel (kostenlos, kommandozeile), DriverStore Explorer als grafische Open-Source-Lösung, oder eine Treiber-Software für automatische Backups vor jedem Update. Wichtig sind vor allem WLAN-, Chipsatz- und Audio-Treiber. Vor jeder Windows-Neuinstallation: ein Backup, plus die kritischen Treiber separat auf USB-Stick.
Weiterführende Quellen
Authoritative Quellen für tiefergehende Informationen:
- Windows Driver Store — Microsoft Learn (EN)
- pnputil — Microsoft-Dokumentation (DE)
- DriverStore Explorer (Open Source, GitHub)
Häufige Fragen
Der DriverStore ist Windows zentrales Treiber-Repository unter C:\Windows\System32\DriverStore\FileRepository\. Wenn ein Treiber installiert wird, wird er hier abgelegt — auch wenn er später deinstalliert wird, bleibt eine Kopie. Daraus kann er bei Bedarf wieder installiert werden.
Nein. Beide machen im Wesentlichen dasselbe — pnputil als Kommandozeilen-Tool, DriverStore Explorer mit GUI. Wer mit der Kommandozeile vertraut ist, kommt mit pnputil aus.
Alle, die jemals installiert wurden. Der Store wächst mit der Zeit auf 5–20 GB. Eine Bereinigung lohnt sich vor allem bei kleinen SSDs — DriverStore Explorer zeigt, welche Treiber-Versionen veraltet sind und gelöscht werden können.
Bei einem Reset/Neuinstallation: Treiber neu installieren ist sauberer (aktuellste Versionen, frische Konfigurationen). Backup nur als Notfall, wenn Hersteller-Webseiten nicht erreichbar sind oder das Gerät zu alt ist.
Häufigste Ursache: Cmd nicht als Administrator gestartet. Außerdem: Ziel-Verzeichnis muss existieren, auf einem schreibbaren Laufwerk. Bei Berechtigungs-Problemen kann das Setzen explizit nötig sein.
Firmware ist kein Treiber im klassischen Sinne — sie sitzt auf der Hardware selbst. BIOS-Versionen sind beim Mainboard-Hersteller archiviert; SSD-Firmware bei den SSD-Herstellern (Samsung Magician, Crucial Storage Executive). Vor BIOS-Updates: aktuelle Version notieren, falls Rollback nötig.